Donnerstag, 29. September 2011

Dienstag ist blau, Mittwoch grün

Ich denke schon lange darüber nach, wie ich eigentlich denke. Denke ich in Bildern oder in Worten? Oder gar in Mustern?

Fest steht, dass es nicht nur eine Art des Denkens gibt. Menschen sind darin unterschiedlich, und zwar nicht, weil sie es sich aussuchen, sondern weil die Natur darüber entscheidet. Es ist das neurologische Programm, das in jedem von uns angelegt ist. Wir bedienen dieses Programm und vermutlich nehmen mir automatisch an, dass jeder um uns herum es genauso handhabt wie wir selbst.

Ich finde es sehr schwierig, über ein derart abstraktes Thema zu schreiben. Ich bin kein Mediziner, ich habe keine Bilder aus dem Kernspin vor mir liegen, woran ich Unterschiede in der Gehirnfunktion erklären könnte (was ich sowieso nicht beherrsche), und ich kann natürlich nicht wissen, ob das, was ich in bestimmte Worte fasse, inhaltlich tatsächlich identisch ist mit dem, was andere mit den gleichen Worten bezeichnen. Ich kann schließlich nicht in meines Nachbarn Hirn schauen und er nicht in meins.

Daher tu ich mich schwer mit Definitionen. Ich kann zum Beispiel wenig anfangen mit der Kategorie „Muster“ – vermutlich weil sie nicht auf mich zutrifft. Wie äußert sich denken in Mustern?

Grob gesagt scheint es sich um eine Schematisierung zu handeln. Die Betroffenen denken  vornehmlich in (geometrischen) Formen, wiederkehrenden Strukturen, Gesetzmäßigkeiten oder schlicht gesagt: abstrakt. Darunter findet man Musiker ebenso wie Mathematiker. Auch hier das Bild von van Gogh mag als Beispiel dienen, besonders die Darstellung der Wolken und der Felder. Eine realistische Wiedergabe mit individuellen Details ist gar nicht beabsichtigt. Hier dominiert die Verallgemeinerung, das Schematische vor dem Konkreten.

 Gogh, Vincent van 1853-1890/Visipix

Wenn ich für mich also das Denken in Mustern vernachlässigen kann, bleiben das Denken in Bildern und das Denken in Worten.

Doch hier stoße ich an meine Grenzen. Ich kann beim besten Willen nicht entscheiden, was zutrifft. Denn es gibt Bereiche, wo ich intensive, geradezu fotorealistische Szenen vor mir sehe, so als würde ich im Kino sitzen und einen technisch einwandfreien Film betrachten, und dann wieder sind meine geistigen Bilder nur blass und schemenhaft.

Nicht lange her wurde ich am Telefon für eine wissenschaftliche Studie befragt. Ich sollte mir eine Rose vorstellen, ob mir das gelänge. Und dann sollte ich die Rose im Geiste drehen: „Kriegen Sie das hin?“ – Nun, eine Rose zu visualisieren schaffe ich, aber sie befindet sich nicht in einer Szene, zum Beispiel nicht in einer Vase auf einem Tisch vor einer Fensteraussicht. Meine Rose ist gedruckt, also nur zweidimensional, rot auf mittelgrünem Hintergrund, und wenn ich sie drehe, sehe ich das Ausgangsbild (Knospe frontal zu mir) sowie das Ergebnis (Knospe zeigt nach links), doch die Schritte dazwischen, die Bewegung, die sehe ich nicht.

Dittmeyer
 Ein so komplexes Szenario würde mir nicht als Erstes einfallen, wenn ich das Wort "Rose" höre

Andererseits träume ich sehr farbenfroh und in detaillierten, realistischen Abläufen. Hier fehlt keinerlei Bewegung, auch ist alles schön dreidimensional, so wie es sich gehört. Selbst die wenigen Horrorvorstellungen, die mein Leben begleiten, sind gekleidet in beste Filmqualität. Als Kind hatte ich eine Heidenangst, beim Turnen in der Schule an einer der wadenhohen Bänke hängen zu bleiben. Ich sah mich jedes Mal wie eine Prophezeiung vornüberkippen und geradewegs auf meine Zahnspange knallen. Heute hat sich dieses Bild auf Stufen verlagert. Ich kann gern auf mein überaus naturalistisches Kopfkino verzichten, wenn ich eine Treppe hinabsteige und mich bereits in der Vorschau mit verdrehten Knochen auf dem Absatz liegen sehe.

Ich vermute, dass die Sprache dann doch den größten Raum in meinem Denken einnimmt. Wenn ich einen Roman lese, bleiben die Szenen im optischen Sinn nebensächlich. Ich weiß, was Bananen sind, deswegen taucht jedoch nicht automatisch eine Obstschale vor meinem geistigen Auge auf. Trotzdem vermisse ich nichts, meine Welt ist dennoch vollständig.

Ich handhabe Worte so, wie in der Schule das Vokabellernen seine Früchte trug. Anfangs hatte ich noch alles mühsam  1 : 1 übersetzen müssen: the table – der Tisch. Dabei war es hilfreich gewesen, mir tatsächlich ganz konkret einen Tisch vorzustellen; die Bedeutung blieb dann eher haften. Doch irgendwann waren diese Schritte nicht mehr nötig. Der Geist verband das Wort jetzt selbstständig mit der richtigen Übersetzung, ohne dass ich bewusst etwas dazu hätte beitragen müssen. Nach diesem Prinzip denke ich also in Sprache. Mir reicht das abstrakte Wissen um die Bedeutung eines bestimmten Wortes, so wie es in unserem Sprach- und Kulturkreis festgelegt wurde; mir dagegen zusätzlich den Inhalt optisch zu vergegenwärtigen brauche ich dabei nicht. Darin unterscheide ich mich von den reinen  „Visual thinkern“, denn die übersetzen nämlich immer erst – wie beim Vokabellernen – das Wort in konkrete Bilder, bevor sie damit etwas anfangen können.

Vielleicht gibt es ja Mischformen. Darüber bin ich leider nicht informiert. Ich habe auch nirgend etwas übers Rechnen gelesen. Gibt es Menschen, die in Bildern rechnen?

Nun, zumindest bei mir ist es so, und darüber bin ich mir ausnahmsweise sehr klar bewusst. Ich kann keine mathematische Aufgabe lösen ohne Visualisierung. Selbst im Supermarkt an der Kasse sind die Geldbeträge, die man mir abverlangt, erst einmal in mentale Bilder umgewandelt, bevor ich ins Portemonnaie greife und die entsprechenden Scheine und Münzen zusammentrage. Damit ist nicht nur gemeint, dass ich mir eine sechs als Ziffer vorstelle, sondern obendrein benutze ich ein eigenes optisches Orientierungssystem. Darauf sind alle Zahlen angeordnet. Ich habe einmal versucht, es aufzumalen:


Von 1 bis 10 geht es also geradeaus, dann bis 20 waagerecht nach links und dann immer in Zehnerschritten leicht versetzt wieder geradeaus. Bei 100, 200, 300 usw. wiederholt sich der Linksschlenker. Wenn ich eine Rechenaufgabe lösen soll, so wie hier zum Beispiel die Addition auf dem rechten Bild, dann suche ich im Geiste zunächst die erste Zahl. Ich sehe, wo sie positioniert ist in meinem Ordnungssystem. Dann suche ich die zweite Zahl und dann erst beginnt die eigentliche Aktion, das Addieren. Das Ergebnis wiederum besteht natürlich ebenfalls aus einer bestimmten Zahl, die ihrerseits einen festen Platz auf meiner persönlichen Skala einnimmt. Auch sie sehe ich als optisch vorhandene Ziffer an ihrem angestammten Ort.

Ich mache diese mentalen Kapriolen nicht mit Absicht und schon gar nicht aus Gründen einer irgendwie missverstandenen Kreativität. Nein, ich muss es so handhaben, weil ich es nicht anders kann. Wahrscheinlich ist dies auch einer der Gründe, warum ich so elendig schlecht bin in Mathematik. Was mir alles bereits in der Grundschule entglitt, hat schon damals alle Welt die Hände überm Kopf zusammenschlagen lassen. Es ist nicht unbedingt unlogisch, was ich rechne, aber es ist umständlich und vor allem dauert es lange.

Ein anderes optisch festgelegtes System benutze ich für den Jahresablauf. Sobald ich das Wort April höre oder lese, wird der Monat bildlich einsortiert. Dazu sind die Monate auf einem Kreis angeordnet wie bei einer Uhr, nur dass mein Jahr nicht bei 12 Uhr beginnt, sondern unten bei 6 Uhr. Jetzt, Anfang Oktober, bin ich mental also „rechts mittig“.


Auch die Wochentage haben ihre feste bildliche Struktur. Hier sind es wiederum eckige Formen wie auf einer Straße mit einer größeren Stufe im gleichbleibenden Abstand. Hiernach ist meine Woche aufgeteilt. Am Freitag wartet schon rechts im Bild der „Balken“ von der Stufe zum Samstag. Ich sehe ihn, er ist ganz konkret vor meinem geistigen Auge vorhanden.


Solche Bilder entstehen unwillkürlich, wann immer die dazugehörigen Worte mein Denken berühren. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich sie mir bewusst zugelegt hätte, etwa als Eselsbrücke zur besseren Handhabung. Sie sind einfach da; woher und seit wann, weiß ich nicht.

Ehrlich gesagt, manches daran finde ich ein wenig skurril. Anderes dagegen ist  hübsch: die Sache mit den Wochentagen zum Beispiel. Die haben nämlich zusätzlich noch Farben. Jawohl. Der Montag ist rot, der Dienstag blau, der Mittwoch grün, der Donnerstag braun, der Freitag grau, der Samstag orange und der Sonntag gelb. Auch daran ließe sich nichts ändern, Farben tauschen oder dergleichen. Auf gar keinen Fall. Mein Gehirn würde es nicht anders haben wollen.


Montag, 26. September 2011

Lesen im Grünen

Ich lebe in Hannover und dies ausgesprochen gern. Natürlich kenne ich die süffisanten Bemerkungen jener, die in einer wahren Großstadt leben und auf uns provinzielle Dorfdeppen herunterschauen. Wir hätten keine eigene Identität, kein aufregendes Kulturleben, und spätestens um 22.00 Uhr würden wir schon längst neben unsern hochgeklappten Bürgersteigen vor uns hin schnarchen.

Wirklich? Ist das so? Eins jedenfalls kann uns niemand absprechen: Wir sind freundliche Menschen. Damit meine ich die Atmosphäre, die einen auf der Straße, im Geschäft oder in der U-Bahn umweht. Glaubt mir, ich kenne gegenteilige Beispiele, auch aus Städten mit angeblich ach so coolem Flair. Hier aber kann jeder so leben, wie er möchte, solange er sich verträglich verhält; man muss sich nicht für eine Gruppe entscheiden, damit man wenigstens irgendwo dazugehört. Morgens beim Bäcker echot der volle Laden auf mein „Guten Tag“ (und nicht nur die Verkäuferin), man geht einen Tick langsamer als in den großen Metropolen und hier macht der Busfahrer noch mal die Tür auf, wenn man von weitem angehetzt kommt.

Eine besondere Affinität hat Hannover zur Farbe Grün. Unsere Straßenbahnen sind grün – jedenfalls noch etwa zur Hälfte, seit anlässlich der Expo im Jahr 2000 auch silberfarbene Stadtbahnen dazukamen. Ich gebe zu, dass man sich an den etwas grellen Farbton gewöhnen muss. Hat diese Farbe überhaupt einen Namen? Ich nenne sie seit jeher Üstragrün, nach unseren Verkehrsbetrieben. Selbst bei meinen auswärtigen Freundinnen, die andere Straßenbahnfarben gewohnt sind, wurde diese Farbnuance zum geflügelten Begriff. Wir hatten unsern Spaß, als wir uns vorstellten, in einem pinkfarbenen Pullover, einem orangefarbenen Schal und mit lila Stulpen in eine Straßenbahn zu steigen. Wenn mich meine Freundin ärgern wollte, fragte sie, ob sie mir zum Geburtstag eine üstragrüne Tischdecke häkeln sollte; die passenden rosa Servietten würde sie gleich dazulegen.

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Gar zu deutlich anschwellende Überheblichkeit kann man freilich gut eindämmen, indem man sich nach den Grünflächen im Wohnort der Amüsierten erkundigt. Natürlich hat mittlerweile jede Kleinstadt ihren Park. Ein Beet, ein paar Bänke, vielleicht noch ein Brunnen und schon ist das urbane Naherholungsgebiet fertig. Das meine ich aber nicht. Ich meine Holz. Bäume. Große Bäume und viele davon.

Hannover hat so einen Wald, sogar mitten in der Stadt. Dort raschelt es und knackt es unter den Füßen. Im Frühjahr riecht es würzig und im Herbst bekommt man Eicheln auf den Kopf. Die 650 ha verteilen sich auf mehrere Stadtteile, werden von Straßen durchschnitten. Es gibt Wanderwege, Minigolfanlagen, Rodelflächen und anders kultivierte Freizeitangebote, doch der Anblick dicht bewachsenen Forstes überwiegt.

Als so genannter Stadtwald steht die Eilenriede zwar nur an 12. Stelle. Größer sind in Deutschland zum Beispiel der Grunewald in Berlin (3.000 ha), die Rostocker Heide (6.000 ha) oder das Lauerholz in Lübeck (960 ha). Trotzdem hat unser hannöverscher Stadtpark ein bisschen mehr Fläche als der weit berühmtere Wiener Prater (600 ha) und sogar doppelt so viel als der Central Park in New York (340 ha).

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Wir Hannoveraner lieben unsere Eilenriede. Es findet sich immer ein Plätzchen, wo man seine Decke ausbreiten oder sich auf eine Bank setzen kann. Seit neuestem braucht man nicht mal mehr seine eigene Lektüre mitzubringen. Man kann sie sich nämlich unterwegs ausleihen – oder gleich ganz unter den Nagel reißen. Niemand hat etwas dagegen, ganz im Gegenteil, die Bücher sollen ja kursieren.

21 Minibüchereien gibt es mittlerweile im gesamten Stadtgebiet. Sie sind gut zu erkennen: ein hölzerner, handgefertigter Schrank mit mehreren Fächern und Glasscheiben, die auf beiden Seiten hochgeklappt werden können. Wer sich für ein Buch interessiert, kann es mitnehmen, daheim lesen und wieder zurückbringen oder stattdessen ein anderes Buch reinstellen. Man trifft die Schränke an Plätzen, an Hauswänden oder sogar mitten in der Straße, auf dem Bürgersteig zwischen Geschäftseingang und Grünstreifen.


Die Büchereien haben rund um die Uhr geöffnet. Zwar werden sie kontrolliert, aber dennoch steckt ein gutes Maß an Vertrauen dahinter. Bisher ist mir nicht bekannt, dass Vandalismus das schöne Konzept gefährden würde. Hin und wieder komme ich an einem der Schränke vorbei. Ich bin nicht die Einzige, die dann in gebückter Haltung mit verdrehtem Hals vor der Scheibe klebt, um die Titel zu lesen. Ich habe mich noch nie über mutwillig verdrecktes Glas geärgert oder über Müll auf den Regalbrettern.

Ich finde, das ist ein wunderbarer Beitrag zur Kultur. Es geht auch leise und mit gegenseitiger Rücksicht.

Tja, so sind wir halt, wir Dorfdeppen in der Grühnkohl-Provinz. Wir kriegen das hin, ganz ohne schrill, blinki-blinki und Oscar-Verleihung.


Donnerstag, 22. September 2011

Die blaue Stunde

Die Franzosen sagen: „Entre chien et loup“. Zweimal am Tag befinden wir uns „zwischen Hund und Wolf“: am Morgen, bevor die Sonne aufgeht, und am Abend, nachdem sich die Sonne verabschiedet hat, aber noch bevor die Nacht alles in Schwarz hüllt.

Die Dämmerung dauert in unseren Breitengraden 30 bis 50 Minuten. Der Himmel ist von intensivem Mittelblau, manchmal auch gemischt mit Gold- oder Lilatönen. Das blaue Licht wird verursacht durch die Ozonschicht. Damit ähnelt es zwar dem Blau im Sonnenlicht, ist aber anderen physikalischen Ursprungs.

Dem Betrachter mag dies egal sein. Die Dämmerung hat ihre eigene Faszination. Nicht umsonst gibt es unzählige Fotos, die diesen Moment festhalten – oder es zumindest versuchen. Den richtigen Augenblick zu erwischen stellt eine Herausforderung dar: nicht zu früh, wenn noch zu viele helle Farbstreifen die Harmonie verwässern, aber auch nicht zu spät, wenn schon alles einen Tick zu düster und zu konturlos geworden ist.

Ich selbst kann solche Fotos nicht machen. Ich verstehe nicht genug von der Technik, als dass ich wüsste, mit welcher Blende ich wann und wo arbeiten sollte. Aber ich habe im Netz grandiose Fotos gefunden von Leuten, die das beherrschen – von einem bestechenden Blau, das mich ins Schwärmen bringt. Drei davon möchte ich euch zeigen.

Paulo Brandão
Die Basilika del Pilar in Zaragoza, Spanien

Guillermo Fdez
Die Brücke Vasco da Gama in Lissabon, Portugal

MrDanielSan
Hagen

„Zwischen Hund und Wolf“ symbolisiert den Übergang zu etwas Neuem, Wildem oder Archaischem, vielleicht auch zu etwas Bösem. Niemand weiß, was die Nacht bringen wird. Andererseits ist die blaue Stunde, so wie in Deutschland dieser Tagesabschnitt einst genannt wurde, die Zeit der Einkehr und Ruhe. Die Arbeit ist vollbracht, nun ist Feierabend.

Heutzutage spricht man von „Happy Hour“, wenn man etwas Ähnliches meint. Doch neben der eher gastronomischen Bedeutung fehlt dem Begriff die Poesie: Es ist im wahrsten Sinne des Wortes keine Farbe mehr im Spiel, die Vorstellungskraft braucht sich nicht mehr mit dem Dunklen, dem Mystische zu befassen, nicht mit dem, was in der Nacht auf uns zukommen mag, und nicht mit dem, was wir selbst an destruktivem Wandeln in uns tragen und im Schutz der Dunkelheit ausleben mögen. Heute ist alles „glücklich“, unbeschwert, ungefährlich. Man sitzt in der Kneipe und trinkt Alkohol. Der auch äußerlich sichtbare Wechsel im Tagesrhythmus ist aus der Sprache verschwunden.

Vollends irritierend wird es aber, wenn sich gleich die gesamte Dämmerung verabschiedet. Als Mitteleuropäer sind wir verwöhnt. Die herrlichen Blau- und Lilatöne dürfen wir oft und recht lange genießen, sofern wir wollen und der Himmel klar ist. Kommt man dann in tropische Länder, wird man enttäuscht sein. Je näher am Äquator, desto kürzer die Dämmerung. Der Übergang vollzieht sich kurz und brutal: eben noch heller Sonnenschein, jetzt schwarze Nacht. Und dazwischen? Nichts, was einem aufgefallen wäre, geschweige denn begeistert hätte.

Ich habe in Südamerika zum ersten Mal in meinem Leben einen Nachthimmel gesehen mit so vielen Sternen, dass man leicht von einer Tupfentapete hätte sprechen könnte. Das war beeindruckend. Kein Lichtschein einer fernen Stadt am Horizont störte das Schwarz, das noch wirklich ein Schwarz war. Doch das Blau und das Lila unserer Dämmerung dagegen einzutauschen, das wäre kein akzeptabler Handel gewesen.

Und wie haltet ihr es? Benutzt ihr den Begriff „blaue Sunde“ noch, oder verbindet ihr ganz andere Assoziationen mit der Dämmerung?


Mittwoch, 21. September 2011

Blau im Dickicht - der Kasuar

Manchmal besuche ich den Weltvogelpark Walsrode. Ist ja hier gleich um die Ecke, außerdem ist meine Mia (die Gelbnackenamazone) dort geboren. Den Eltern guten Tag zu sagen gehört natürlich zum Programm.

Ich gebe zu, dass ich außer über Papageien nicht viel über die übrigen Parkbewohner weiß. Ich bin jedes Mal wieder erstaunt, wie groß Geier und Adler sind, besonders wenn sie die Flügel ausbreiten, denn ich kenne sie ja sonst nur von Fotos oder aus dem Fernsehen. Selbst Eulen, die einem noch aus den Schulbüchern ein Begriff sind, sehen in natura viel imposanter aus.

Ein bestimmter Vogel aber hat es mir besonders angetan. Als ich ihn zum ersten Mal sah, dachte ich: „Was ist das denn?“ Er stand mitten in seinem Gehege auf einer Art begrünter Plattform, hinter sich eine blickdichte Hecke, nach vorne hin zum Publikum durch gebührenden Abstand, einen Wassergraben und einen Zaun abgesichert. Der Vogel stand aufrecht, sah aus wie ein Strauß und guckte zu mir rüber, als würde er das Gleiche über mich denken wie ich über ihn.

 High Leif
Was mich vollends verwunderte, waren die vielen Warnschilder. Sie forderten die Besucher auf, auf gar keinen Fall über den Zaun zu klettern (ziehen das etwa Leute in Betracht?). Der Grund stand gleich dabei: Dieser Vogel –  Kasuar mit Namen –  sei lebensgefährlich. Er habe eine lange, gerade, dolchartige Kralle innen am Zeh, mit der er sogar Menschen aufschlitzen könne. Früher, in weniger gesicherten Zeiten sei diesem Umstand so mancher Pfleger zum Opfer gefallen.

Oha. Daraufhin bin ich respektvoll ein paar Schritte zur Seite getreten. Zu Hause habe ich mich dann schlau gemacht.

In der Tat, mein erster Eindruck war richtig gewesen. Der Kasuar ist ein flugunfähiger Laufvogel. Er ist verwandt mit dem Strauß, dem Emu und dem Nandu. Typisch sind die kräftigen Beine mit den drei Zehen, der eiförmige Körper mit den puscheligen, hier schwarzen Federn und der relativ lange, dünne Hals. Im Gegensatz zu seinen unscheinbaren Verwandten trägt der Kasuar allerdings kräftiges Blau und Rot an Kragen und Gesicht, obendrein ein sonderbares, fast dreieckiges Gebilde auf dem Kopf. Wozu das gut sein soll, darauf komme ich später.

Und was macht diesen Vogel nun so gefährlich?

Beheimatet ist der Kasuar hauptsächlich in Neuguinea. In freier Natur wird man ihn kaum zu Gesicht bekommen; er geht dem Menschen aus dem Weg. Da er aber ein Einzelgänger ist mit einem sehr dominanten Revierverhalten, kann sich in Gefangenschaft die fehlende Fluchtmöglichkeit in Aggression entladen. Als Eindringling hat man schlechte Karten. Der Kasuar wird bis zu 1,70 m groß und 85 Kilo schwer. Wenn dann so ein Koloss Anlauf nimmt, ist guter Rat teuer, zumal Kasuare nachsetzen, sogar schwimmen und aus dem Stand springen können –  über einen Meter hoch. In der Regel treten sie mit ihren muskulösen Beinen zu. Das allein wird reichen für Knochenbrüche. Kommt dann noch besagte Kralle zum Einsatz, ist dem Menschen schnell der Bauch aufgeschlitzt.


Das kann kein anderer Vogel auf der Welt. Deshalb hat der Kasuar die zweifelhafte Ehre, als gefährlichster Vogel im Guinnessbuch der Rekorde geführt zu werden. Aus dem Blickwinkel des städtischen Zoobesuchers mag dies zwar zum wohligen Gruseln beitragen, doch weit weniger Probleme sehen jene Menschen, die nicht mit einer Eiswaffel und der Digicam vorm Gehege stehen, sondern die sich ihren Lebensraum mit dem Kasuar teilen. Man respektiert sich gegenseitig, indem man sich nicht zu nah kommt.

In ihrem natürlichen Umfeld streichen Kasuare durchs Dickicht. Sie bleiben im Regenwald, solange sie genug zu fressen finden und keine Straßen ihr Territorium zerschneiden. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Früchte, aber auch Blätter (dafür ist hochspringen gut), Pilze und allerlei Getier wie Raupen, Frösche oder Insekten.

Natürliche Feinde hat der Kasuar nicht, außer dem Menschen und gegebenenfalls Wildhunden.

Ehrlich gesagt, das überrascht mich. Denn da muss ich mich fragen, wofür er überhaupt diese tödliche Waffe besitzt. Gegen wen muss er sie einsetzen? Gegen Artgenossen, die in sein Revier eindringen? Wohl kaum, denn im Zweifelsfall wird gedroht, dann zieht sich der Unterlegene zurück. Hat also die Natur hier nur eine Kapriole geschlagen, ohne dringende Notwendigkeit, ohne rechten Sinn und Verstand?

Das merkwürde Dreieck auf dem Scheitel hingegen ist selbst den Experten ein Rätsel.  Dass es einen konkreten Zweck erfüllt, ist unbestritten, doch welchen? Während die einen von einer Art Macheten-Funktion ausgehen (Kopf runter und immer geradeaus „durchs Brombeergestrüpp“), sehen andere darin einen Resonanzkörper für die Kontaktrufe. Denn schließlich müssen sich auch Einzelgänger gelegentlich um gesellschaftlichen Kontakt kümmern, sofern sie Kinder haben wollen. Das Dreieck besteht aus Knochen mit Horngewebe.

Kasuare lassen sich nur sehr schwer in Gefangenschaft nachziehen, daher bleibt ihr Anblick immer etwas Besonderes.


Das letzte Mal, als ich im Vogelpark Walsrode dieses Besondere genießen wollte, bekam ich aber leider nicht viel zu sehen, obwohl ich geduldig gewartet hatte. Der Kasuar nämlich war gerade anderweitig beschäftig. Er hatte sich in die Hecke zum Nachbargehege ein Loch gebastelt, stand nun dort, mit dem Kopf in der Durchreiche, und guckte, was es nebenan zu begutachten gäbe. Mir blieb nur der Anblick seines mächtigen Hinterns … und es dauerte, und dauerte, und dauerte.

Na gut, dann eben das nächste Mal wieder. Auch als Zoovogel hat man schließlich ein Recht auf die ungestörte Ausübung seines Hobbys. Sollen sie doch ein andermal wiederkommen, diese komischen Zweibeiner mit den schwachen Knöcheln, den mickrigen Zehen und dem fahlen Stummelhals unterm Eierkopf. Den ganzen Tag nur zu lachen füllt selbst den stolzesten Kasuar nicht aus.


Donnerstag, 15. September 2011

Herbstfarbenarithmetik oder: Grün + Blau = Pink

Nein, bewusstseinserweiternde Substanzen sind nicht notwendig für diese ganz besondere Farbenlehre. Oder vielleicht doch? Denn allein der Duft von Grün und Blau, die sich auch blanc und noir nennen, kann einen besoffen machen. Der "weiße" Muskateller und der "schwarze" Pinot (vulgo Spätburgunder) erwarten also die Hobbywinzer zur Lese. Blau und Grün gibt es heute einmal zum Anfassen, anstatt am Schreibtisch Farben zu "korrigieren" – heute ist alles real, nicht virtuell. Dieses Blau und dieses Grün sind von Mutter Natur geschaffen, und wer wollte sich anmaßen, besser zu sein als sie?

Ich bin ein Stadtrandkind, aufgewachsen da, wo sich der Stadtrand noch daran erinnern kann, dass er vor nicht langer Zeit mal Dorf war. Die "von hier" hängen an ihrer eigenen Scholle, nicht zuletzt, weil es Zeiten gab, in denen der eigene Garten die Familien versorgen musste. Aus diesen Zeiten, als der Großvater noch Obstbauer war, nennt sich unser Garten auch noch Landwirtschaft. Etliche seiner Bäume erinnern noch daran, und zum Gedenken an ihn wurde auch der neue Weinberg angelegt. Jetzt haben wir den größten Weinberg in unserer Straße. (Wir haben den einzigen.) Es ist nur ein Weingärtchen, das dem echten Winzer ein nachsichtiges Schmunzeln entlockt, weil er damit allenfalls zwischen dem Znüni-Vesper [1] und dem Mittagessen beschäftigt wäre. Wenn er trödelt. Aber es sind immerhin so viele Stöcke, dass eine Familie einen Familientag daraus machen kann.

© Nel Blu
Jeden Sommer wird die Ernte gegen potenzielle Feinde verteidigt. Noch schärfer wird auf die Reben aufgepasst, seit es einmal einem Dachs gelungen ist, einen kompletten Jahrgang zu vernichten. Eine ganz eigene Art von Obstbauern-Paranoia befällt uns regelmäßig, spätestens ab Mitte August. Sind da etwa Fraßspuren an den Trauben? War es wirklich der Dachs? Der Nachbar zur Rechten grinst so verdächtig, so gesättigt ...

Dann hat man es doch geschafft. Nur ein bisschen Schwund ist dieses Jahr, das verbucht man als Tribut an den heiligen Franziskus. Man ahnt in den Arien einer dicken Amsel eine gewisse Weinseligkeit und leistet im Stillen Abbitte beim Nachbarn zur Rechten.

Drei Familienmitglieder und eine abenteuerlustige Hilfskraft machen sich auf, bewaffnet mit Rebscheren, Eimern und Tatendrang. Den Weg "aus der Traube in die Tonne, aus der Tonne in das Fass" sollen die grünen und die blauen Beeren heute endlich nehmen. Wir summen das Trinklied vor uns hin auf dem Weg in die Reben, der Text sitzt, doch die Töne treffen wir eher minder als mehr. Die dicke Amsel nimmt Reißaus.

Aus der Traube in die Tonne, von der Tonne in das Fass,
aus dem Fasse dann, o Wonne, in die Flasche,
aus der Flasche in das Glas.
Aus dem Glase in die Kehle, in den Magen, in den Schlund,
und als Blut dann in die Seele, und als Wort hierauf zum Mund.
Aus dem Worte etwas später formt sich ein begeistert Lied,
das auf Wolken in den Äther mit des Menschen Jubel zieht.
Und im nächsten Frühling wieder fallen nun die Lieder fein
nun als Tau auf Reben nieder, und sie werden wieder Wein.
(M: Kurt Lissmann, T: Theobald Kerner)

So ist zumindest der Plan. Das Lied verstummt bald über der Arbeit. Jeder hat seinen eigenen Lesebereich und ist in seinem Tun für sich. Hin und wieder teilt jemand seine Freude über eine besonders schöne Traube. Oder es gibt ein „mmmh“ zu hören – so ganz ohne Umwege über Tonne und Flasche direkt in den Schlund, das muss zwischendurch auch erlaubt sein. Mutter Natur freut sich über jedes „mmmh“, da bin ich mir sicher. Kann man denn treffender ausdrücken, wie sehr man schätzt, dass sie Jahr für Jahr Sonnenlicht so bündelt, dass man es essen und trinken kann?

© Nel Blu
Mit den letzten Sonnenstrahlen des Lesetages ist es so weit. Als Trauben gehen sie in die Mühle hinein, Beeren und Saft kommen heraus und als Maische finden sie sich in der Kelter wieder. Diese Arbeitsgänge vor dem Fass beschreibt das Lied nicht. Der frische Traubensaft, der aus der Presse rinnt, ist unser ganz spezieller neuer Süßer, der "Muskagunder", ein Verschnitt zwischen den Rebsorten, weil die Menge nicht reicht, um die Rebsorten getrennt auszubauen. Neu ist er. Süß ist er. Und er ist pink. Ja, pink. Das erste Glas wird noch an der Kelter geteilt, die Presse für die Nacht gerichtet, dann wird erklärt: Jetzt ist Feierabend.

Ein gutes Brot und ein Krug von dem, was einmal Wein werden will, das ist die Belohnung für den heutigen Tag. Für die Mitte des Vesperbretts hat Mutter noch zwei der schönsten Trauben abgezweigt: eine grüne vom Muskateller, eine blaue vom Burgunder.

Und so teile ich diesen Tag hier mit euch und schenke euch ein wenig Grün und ein wenig Blau zum Anfassen, zum Anschauen, zum Riechen und Schmecken.

[1] morgendliche Zwischenmahlzeit in der Schweiz und im Schwarzwald
© Nel Blu

Nel Blu
Über die Gastautorin:

Nel Blu stammt aus dem Lebens- und Kulturkreis der Alemannen, auch wenn durch einen preußischen Opa das Oberrhein-Vollblut ein bisschen verwässert wurde. Sie liebt Buchstaben und Bilder und träumt davon, eines Tages den großen Roman zu verfassen. Da sie aber über jedes A ins Schwärmen gerät und darüber meist vergisst, B zu sagen, wird das noch eine Weile dauern.

Sonntag, 11. September 2011

Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid

 flora.cyclam
Mit Kleidern kenne ich mich nicht aus, ich trage lieber Hosen, aber in Sachen Blaukraut bin ich Expertin.

Meine Mutter war die weltbeste Köchin für Blaukraut. So bin ich automatisch zur Fachfrau herangewachsen. Aaaah … ich sehe den Teller vor mir: klein gemantschte Kartoffeln in Soße zusammengerührt, dazu das untergemengte Blaukraut; das Fleisch war nebensächlich. Zu jedem Geburtstag habe ich mir Blaukraut gewünscht, und später, als ich längst nicht mehr zu Hause wohnte, wurde mir das Blaukraut im Tuppertopf im Geburtstagspaket nachgeschickt. Die Vorliebe, die Kartoffeln klein zu drücken und sie mit Soße und Kraut zu vermengen, habe ich beibehalten, auch wenn es gegen jede Etikette verstößt. Aber ich finde, so entfalten sich die Aromen am besten, und solange ich keinem Fremden gegenübersitze, ist ein solcher Fauxpas verzeihlich.

Inzwischen muss ich leider auf diesen Hochgenuss verzichten. Die Alternativen aus dem Supermarktregal sind nur ein armseliger Abklatsch. Okay, sie schmecken ganz nett, doch was ist schon „ganz nett“, wenn man das Göttliche kennen gelernt hat? Es meiner Mutter nachzumachen habe ich nie versucht. Ich finde, es gibt Dinge, die so unverrückbar mit einer Person verbunden sind, dass sie nie deren Perfektion erreichen werden, selbst wenn man es handwerklich schaffen sollte. Es ist wohl eher eine Frage der Erinnerungen an geborgene Zeiten, die man sich (schönredet und) nicht durch Entzauberung kaputtmachen will.

Eins ist mir jedoch schon in Jugendtagen aufgefallen: Niemand sagte Blaukraut, jeder redete nur von Rotkohl. Da ich noch immer im Norden wohne, hat sich nichts daran geändert. Ich hielt Rotkohl daher für die korrekte, für die hochdeutsche Bezeichnung für unser innerfamiliäres Blaukraut. Inzwischen weiß ich, dass beide Formen korrekt sind. Der Gebrauch ist regional bedingt. Es gibt sogar die Varianten Rotkraut und Blaukohl.

Doch warum eigentlich Blau? Oder Rot? Ich finde beide Farben nicht ganz treffend. Es ist doch wohl eher eine Farbe irgendwo dazwischen. Aber warum heißt mein Leibgericht dann nicht Lilakraut?

Ich bin auf die Suche gegangen. Unter anderem im Sprachlexikon wurde ich fündig.

Die Kohlsorten, die wir heute als Grundlage für unser Blaukraut und auch für Sauerkraut nehmen, sind das Ergebnis mittelalterlicher Klosterzüchtungen. Der dunkle Kohl galt als der feinere, für die festliche Tafel zu Hochzeiten oder zum Leichenschmaus, während Sauerkraut Alltagsessen war. Seinen Namen verdankt der dunkle Kohl dem Umstand, dass im Mittelalter noch keine passende Farbabstufung bekannt war. Es gab lediglich die Adjektive blau und rot. Das Wort Lila, das den Farbton genauer trifft, stand noch nicht zur Verfügung.

Erst im 18. Jahrhundert wurde lilafarben im deutschen Sprachraum gebräuchlich. Es kam aus dem Französischen (lilas, lilac für „Flieder“). Die Franzosen wiederum hatten sich beim gleichlautenden arabischen Wort bedient, das seinerseits über das Persische (lilak, nilak) auf das altindische nila für „schwärzlich, bläulich“ zurücking.

kochtopf
Warum man damals im Mittelalter den dunklen Kohl dann jeweils als rot oder als blau bezeichnete, mag mit seinem Erscheinungsbild zusammen- hängen, denn wächst er auf saurem Boden, sieht er eher rot aus, ist der Boden alkalischer, gehen die Blätter ins Bläuliche. Das Gleiche gilt für die Zubereitung. Je mehr Säure man hinzutut (Essig oder Äpfel), desto deutlicher wird die Rotfärbung. So mögen die lokalen Anbaubedingungen und die Traditionen beim Kochen dafür entscheidend gewesen sein, warum man Blaukraut sagte und in andern Gegenden Rotkohl.

Wenn ich darüber nachdenke, so war das Blaukraut meiner Mutter eindeutig blau. Ich hätte es nicht anders haben wollen. Allerdings bin ich mir sicher: Es wäre egal gewesen, denn selbst aus Rotkohl hätte meine Mutter die größte Gaumenfreude gezaubert.


Donnerstag, 8. September 2011

Die blaue Mauritius


Man muss kein Philatelist sein, um zu wissen, was die blaue Mauritius ist – eine Briefmarke, klar. Selten ist sie und unerschwinglich, zumindest für unsereins. Dabei ist sie nicht einmal die seltenste und auch nicht die teuerste Briefmarke, doch ganz sicher ist sie jene mit der exklusivsten Aura. Die blaue Mauritius ist ein Mythos, eine feste Größe im Bewusstsein jeder modernen Generation, nicht erst seit heute und überdies weltumspannend. Das macht sie so einzigartig.

Seinen Siegeszug begann das erlesene blaue Stückchen Papier 1847, zunächst allerdings noch unspektakulär.

Mauritius war damals britische Kronkolonie. Zuvor hatten sich die Portugiesen, dann die Holländer und schließlich die Franzosen als Kolonialherren betätigt. Man betrieb Plantagenwirtschaft, Zuckerrohranbau vor allem. Dies bescherte der Insel eine gewisse Bedeutung, denn bevor der Zucker im größeren Stil industriell hergestellt werden konnte (aus der Zuckerrübe seit 1825), musste der Zucker kostenträchtig aus Übersee importiert werden. Er rangierte als Luxusgut.  
Trotzdem war Mauritius weit entfernt von überregionaler Bedeutung. Das Leben blieb landwirtschaftlich geprägt; erst vor wenigen Jahren war die Sklaverei abgeschafft worden (1835). Die Insel unterschied sich nicht vom Schicksal anderer Kolonien im Indischen Ozean.

Und doch gelang der kleinen weißen Oberschicht ein bemerkenswerter Schritt. Plötzlich hielt die Moderne Einzug. Das ferne, unbedeutende Mauritius wurde zum Vorreiter. Es ging um die Neuerung des Postverkehrs.

1840 war im englischen Mutterland die erste Briefmarke der Welt ausgegeben worden. Sie wurde – wie noch heute üblich – auf den Umschlag geklebt. In der Marke waren die Transportkosten enthalten. Dahinter stand die Idee, den Absender in Vorkasse zu nehmen, statt wie bisher beim Empfänger, beim Aushändigen des Briefes das Porto einzutreiben.

Nur sieben Jahre später schon hatte die Kolonie Mauritius ihre eigenen beiden Briefmarken. Damit war sie die erste britische Kolonie und das fünfte Land weltweit, das dem englischen Beispiel folgte. Nur die USA (lokal), Brasilien und die damals noch unabhängigen Schweizer Kantone Zürich und Genf waren schneller. Die erste deutsche Briefmarke kam erst zwei Jahre später, 1849, im Königreich Bayern heraus.

Mauritius: MaltaToday/Philip Cachia

Mauritius hatte sich für zwei Briefmarken entschieden. Die 1-Penny-Marke war rot und für den innerörtlichen Postverkehr bestimmt, die 2-Penny-Marke war blau und deckte alle anderen Zielorte ab. Beide Marken zeigten das Porträt der jungen Königin Victoria. Die erste Serie der blauen und roten Mauritius umfasste je 500 Stück.

Doch schon ein Jahr später erwiesen sich die Vorräte als zu kurz gegriffen. Eine zweite Serie wurde gedruckt. Zwar blieb das Design erhalten, doch änderte sich jetzt am linken Rand die Aufschrift. Während auf der Originalserie dort noch „POST OFFICE“ (also „Postamt“) gestanden hatte, war dort nun „POST PAID“ („Inklusive Porto“) zu lesen.

Genau hierin liegt der Wert der blauen und roten Mauritius. Ist von diesen beiden Marken die Rede, sind gemeinhin die Exemplare dieser ersten Serie gemeint, also jene Originale von 1847 und nur echt mit dem „POST OFFICE“-Schriftzug links am Rand (siehe Foto).

Heute sind weltweit von beiden Marken der ersten Serie lediglich noch 27 Stück bekannt. Natürlich trägt die geringe Stückzahl zu ihrem hohen Marktwert bei, aber der alleinige Grund ist dies sicher nicht. Denn Ereignisse entwickeln ihre eigene Dynamik. Während manches in der Versenkung verschwindet, gelangt anderes ins kollektive Gedächtnis. Zufälle spielen dabei ebenso eine Rolle wie anders motivierte Impulse. Objektiv ist nichts daran, erst recht nicht an der Entstehung von Mythen.

Die blaue und die rote Mauritius sind schon früh zu Sammelobjekten geworden. Mit der Verbreitung der Briefmarken fanden sich Liebhaber, erste Kataloge gewährten Überblick (1860), Sammlerzeitschriften kamen auf den Mark – die Philatelie entstand. Vielleicht begünstigte ein Märchen die Popularität der Mauritius-Marken. So hieß es lange, der „POST-OFFICE“-Aufdruck sei aus Versehen auf die Druckplatte gelangt, weil sich der Graveur vertan hatte. Dadurch wurden die Marken zum begehrten Kuriosum, ähnlich den Fehldrucken. Heute weiß man, dass dies nicht haltbar ist. Dem Siegeszug tat dies keinen Abbruch. In unseren modernen Zeiten kamen sowohl Exemplare der wenigen noch erhaltenen postfrischen Mauritius-Marken unter den Hammer als auch gebrauchte samt den dazugehörigen gestempelten Umschlägen. Die Preise erreichten Dimensionen von 200.000 Euro bis 4 Millionen Euro.

Neben Privatpersonen (z. B. der Queen) besitzen heute auch Museen einzelne Exemplare, so in London und Den Haag. Auch in Deutschland sind zwei beheimatet: eine gebrauchte blaue Mauritius und eine gebrauchte rote. Sie befinden sich im Museum für Kommunikation in Berlin.

Dort ist außerdem gerade eine besondere Rarität zu sehen. Die Ausstellung „Das Treffen der Königinnen“ zeigt 18 der weltweit insgesamt noch vorhandenen 27 Mauritius-Marken. Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. September 2011. 

Foto blaue Mauritius: Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons


Dienstag, 6. September 2011

Lissa und Carry – die „blauen“ Botschafterinnen

Blau ist in der Natur nicht oft zu sehen. Das meiste, was die Flora bietet, ist rot, grün, gelb oder sonst wie farblich gestaltet, jedenfalls nicht blau. Das ist schade, denn Blau ist ein echter Hingucker. Es hat was Frisches und Optimistisches. Nicht umsonst erfreuen wir uns an einem knallblauen Postkartenhimmel und einer ebenso schimmernden See.

Wenn aber beides gerade nicht vorhanden ist, was machen wir dann? Fügen wir uns in unser Schicksal und bedauern den verwehrten Genuss, oder behelfen wir uns selbst? Man kann mit wenigen Mitteln tolle Effekte erzielen. Bitte sehr, hier ist der Beweis. Die beiden Beagle-Mädchen Lissa und Carry machen es vor.

Blaue Heimausstattung

 Coole Outdoor-Accessoires

Stillleben mit Kaffeetassen: Auch außerhalb von Heim und Hof, beim Ausflug können kleine blaue Akzente optische Oasen schaffen

 Bootsfahrt natürlich nur im blauen Boot

Jede noch so einfache Landschaft gewinnt durch mitgebrachte blaue Textilien

Und fürs tägliche Ja zur geliebten Farbe: diese sensationellen Halsbänder mit dem wunderschönen Muster

Weil ich mich daran nicht sattsehen kann, gleich noch mal. Seht ihr? Sogar die Goldfische sehen um Längen besser aus, wenn sie vom blauen Halsband umstrahlt werden

Haaach ... diese Beagles haben einfach Geschmack. 
Bravo, Lissa und Carry.

© Fotos:

Schulfüller

Bei uns in der Grundschule waren Kugelschreiber verboten. Feine Filz-, Gel-  oder wie sie alle heißen, jene Stifte, unter denen man heute wählen kann, gab es damals noch nicht. So kam nach dem Bleistift der Federhalter, noch irgendwann in der ersten Klasse, soweit ich mich entsinne. 

Ich bin in einem Bundesland mit Lehrmittelfreiheit zur Schule gegangen. Das bedeutete, alle Schulbücher wurden uns kostenlos gestellt, mussten am Schuljahrsende aber wieder abgegeben werden. Obendrein bekamen wir einiges geschenkt: einen Tuschkasten, Knete, Wachsmalstifte, Farbstifte aus Holz, Malblöcke, einen Atlas und später ein Zirkelset und Geodreiecke. Nur die Hefte und die Schreibutensilien wie Bleistifte oder Radiergummis kauften wir selbst. Ich weiß nicht, ob dies so vorgesehen war oder ob sich unsere Eltern auf diese Weise stillschweigend am Etat beteiligten, ich kann mich jedenfalls nicht an Probleme erinnern.

Beim ersten Federhalter allerdings verstand unsere Lehrerin keinen Spaß. Sie wollte uns auf  pädagogischer Linie halten. Deshalb wurde per Beschluss am Elternabend festgelegt, dass nicht jeder selbst ein Exemplar für seinen Sprössling aussucht, sondern dass für die gesamte Klasse zentral ein bestimmtes Modell bestellt wurde. Am Ende hatten 32 Schüler den gleichen Lernschreibfüller von Geha.

Ich kann mich noch gut an ihn erinnern. Er hatte einen grünen Schaft (wie alle Geha-Schulfüller damals). Die Feder war goldfarben und merkwürdig geformt. Sie verjüngte sich nicht gleichmäßig zum V wie sonst üblich, sondern machte eine Art Delle zur Spitze hin. Das gab dem Ganzen etwas Gestelztes. Leider besitze ich diesen Federhalter nicht mehr. Ich hätte ihn euch gern gezeigt. Ich fand ihn damals ziemlich  altbacken, nicht cool genug, aber offenbar entsprach er den ergonomischen Erfordernissen ungeübter Kinderpfoten. Das Ästhetische aus Nutzersicht spielte dabei wohl weniger eine Rolle.

Damit man den Stift richtig zu halten lernte, waren am Schaft drei längliche Ausbuchtungen eingelassen. Dort hatte man seine Finger reinzulegen. Links beim Daumen und rechts beim Zeigefinger, das kriegte ich noch gut hin, aber hinten der Ringfinger - wie war das gemeint? Bei mir hing er sonst wo, jedenfalls nicht ordentlich am vorgesehenen Platz. Blaue Finger kriegte ich trotzdem. Keine Ahnung, woher die Tinte kam. Ich hatte schließlich nicht direkt auf die Feder gegriffen. Blaue Fingerkuppen gehörten zu meinem Schulalltag. Die blaue Tinte übrigens war ebenfalls vorgeschrieben, andere Farben waren nicht erlaubt. Die kurzen Patronenhülsen drückten wir innen in den Schaft. Die Reservepatrone wartete oben drüber, getrennt durch eine kleine Halterung aus Metall.

Spätestens seit der vierten Klasse kümmerte sich niemand mehr darum, mit welchem Füller wir schrieben. Hauptsache, wir schrieben überhaupt mit Tinte und ordentlich. Mein nächster Schulfüller war wieder von Geha, diesmal ohne die Fingerrillen und mit dreieckiger Feder in Silber. Es ist das Exemplar auf dem Foto hier. Der Schmutz an der Spitze ist die eingetrocknete Originaltinte aus Kindertagen.

Noch ein paar Jahre später bin ich auf Pelikan umgestiegen. Dort gab es nämlich einen Füller mit mittelblauem Schaft. Ich fand ihn klasse nach all den Jahren mit dem immer gleichen Grün.

Was die Tinte betraf, so hatten die Hersteller inzwischen experimentiert. Ich probierte alles aus. Zeitweilig schrieb ich in Lila oder Türkis. Solange es nicht rot war, interessierte sich kein Lehrer dafür. Meistens aber blieb ich bei Grün, zumindest auf dem Papier. Das hieß die Tinte war grün, der Federhalter blau.

Die Vorliebe fürs Schreiben mit Füller hatte ich mir bis zur Oberstufe bewahrt. Alte Schulhefte aus der achten, neunten und zehnten Klasse zeugen davon; mir selbst war es nicht so deutlich in Erinnerung geblieben. Dann aber war diese Ära vorbei. Kugelschreiber (und DIN-A-4-Blätter) fand ich nun praktischer. Seitdem habe ich nie zurück zur Tinte gefunden. Später als Erwachsene hatte ich wohl mal den einen oder andern Versuch unternommen, hatte im Schreibwarengeschäft mehrere Federhalter durchprobiert, aber so gut in der Hand gelegen wie in meiner Schulzeit hat keiner mehr. Kugelschreiber ruinieren jene Handhaltung, die für Federn nötig ist, und ich habe eindeutig zu lange Kugelschreibern gehuldigt, als dass ich heute zwischen ihnen und einem Federhalter wechseln könnte. Um die bekleckerten Fingerspitzen ist es mir nicht leid, doch wenn man etwas verlernt, was man früher einmal gut konnte, ist  es schade.

Der Preis der Nacht

Monkeyfox
Mit Spielfilmen kann ich nicht viel anfangen, weder im Kino noch im Fernsehen. Dennoch gibt es eine Handvoll Filme, die mir in Erinnerung geblieben sind und die ich mir gern ein zweites und ein drittes Mal anschaue. Einer davon ist „Interview mit einem Vampir“ von 1994.

Die Starbesetzung mit Brad Pitt, Tom Cruise und Antonio Banderas interessiert mich weniger. Einen Film finde ich besonders dann sehr gelungen, wenn er von allem etwas hat: in diesem Fall ein bisschen was zum Gruseln und Ekeln, aber zugleich sehr komische und sehr ästhetische Szenen. Die Bilder, die Aufnahmetechnik, die Farben begeistern mich. Der Film hat nichts vom ruckeligen Schwarzweiß der ersten Dracula-Filme. Auch der Inhalt ist anspruchsvoller. Es wird nicht lediglich munter drauflos gebissen und gesaugt, sondern eine Lebensgeschichte wird erzählt, bisweilen durchaus mit philosophischen Abstechern.

Zum Inhalt: Ende des 18. Jahrhunderts lebt in den Südstaaten ein junger Plantagenbesitzer - Louis. Als er seine Frau und sein neugeborenes Kind verliert, gerät er aus der Bahn. Er wird lebensüberdrüssig, lebt riskant. Auf einem abendlichen Fest lernt er den Vampir Lestat kennen, der ihn fragt, ob er unsterblich werden will. Louis willigt ein, ohne zu wissen, auf was er sich einlässt. Lestat transformiert daraufhin seinen neuen Gefährten in einer speziellen Beißzeremonie zu seinesgleichen.

An sein neues Dasein kann Louis sich nur schwer gewöhnen. Zwar lernt er, das Sonnenlicht zu meiden und sich von Blut zu ernähren, doch bleiben ihm Skrupel. Ihm fehlt die amoralische Rücksichtslosigkeit Lestats, der alles aussaugt und tötet, was ihm zwischen die Zähne kommt. Louis dagegen wird im Herzen immer ein Mensch bleiben. Er existiert als Vampir, fühlt aber wie ein Sterblicher. Das beschert ihm Gewissensbisse und konstantes Hadern mit seinem Schicksal, doch macht ihn genau dies einzigartig  in der Vampirwelt und anziehend.

Als Lestat merkt, dass Louis ihm zu entgleiten droht, erschafft er ihm ein 10-jähriges Vampirmädchen. Claudia wird zum Tochterersatz, beschützt und geliebt; für Lestat ist sie lediglich eine Schülerin. An Grausamkeit steht die Kleine ihrem Lehrer in nichts nach. Sie tötet Lestat, als sie ihn als Konkurrenten um Louis' Gunst empfindet. In der Meinung, Lestat sei vernichtet, verlassen die beiden Amerika und schiffen sich nach Europa ein. Louis und Claudia hoffen, dort auf andere Vampire zu treffen, auf Kreaturen, die so sind wie sie und die ihnen einige brennende Fragen zu ihrer Existenz beantworten könnten. Nach Jahrzehnten des Umherreisens werden sie in Paris endlich fündig.

Dort in Paris lernen sie gleich ein ganzes Theaterensemble aus Vampiren kennen. Es ist jedoch kein gutes Zusammentreffen. Die alten Vampire fürchten Louis' Andersartigkeit, umgekehrt verachten Louis und Claudia sie als dekadent. Die Feindseligkeit endet in Mord und Zerstörung. Claudia wird getötet. Louis kann dem Anschlag entkommen, vernichtet aber aus Rache die Theatertruppe. Später kehrt in seine Heimat zurück. Es ist inzwischen 1994. Louis ist in der Neuzeit angekommen.

In einem Hotelzimmer erzählt er einem Journalisten seine Lebensgeschichte. Dieses „Interview“ bildet den Rahmen der Filmhandlung. Auch trifft Louis Lestat wieder. Und natürlich hat die Geschichte ein Ende, aber das verrate ich hier nicht.

Mir geht es hier um etwas anderes, nämlich um das, was Louis über Farben sagt. Er äußert sich mehrmals dazu. Denn zum Fluch der Nacht gehört, dass er als Vampir nicht nur auf die Helligkeit verzichten muss, sondern dass die Nacht ihm auch sein geliebtes Blau raubt. Das Dunkel schluckt die Farben der Landschaft.

Turner, J. M. W. 1775-1851/ Visipix

Über seiner Reise durch Europa klagt er:

„Wir erreichten das Mittelmeer. Ich hoffte, das  Wasser dort wäre blau, aber es war schwarz wie alle Gewässer in der Nacht. Wie habe ich damals gelitten.  Angestrengt versuchte ich mich an die Farbe zu erinnern, die in meiner Jugend ganz selbstverständlich für mich war.“

Dazu sieht man Claudia bei Mondschein vor einer Staffelei sitzen und mit schwarzen Strichen Landschaftsmotive auf die Leinwand malen. Es ist das, was die Nacht ihren Augen zugesteht.

Erst eine technische Errungenschaft unserer Zeit, der Farbfilm, erlöst Louis von seinem Verlust. Zweihundert Jahre hat er darauf warten müssen. Das Kino endlich gibt ihm das Vermisste zurück:

„Kein menschliches Auge kann das jemals so sehen: zuerst silbrig [gemeint ist der Schwarzweißfilm], und dann, als die Jahre durchs Land zogen, in Tönen von Lila, Rot und meinem lang entbehrten Blau.“

Während er dies sagt, beobachtet Louis auf der Kinoleinwand Superman, wie er in seinem bunten Kostüm den blauschimmernden Erdball umkreist, der aufgehenden Sonne entgegen.

Interview mit einem Vampir, Regie Neil Jordan, USA 1994