Dienstag, 6. September 2011

Schulfüller

Bei uns in der Grundschule waren Kugelschreiber verboten. Feine Filz-, Gel-  oder wie sie alle heißen, jene Stifte, unter denen man heute wählen kann, gab es damals noch nicht. So kam nach dem Bleistift der Federhalter, noch irgendwann in der ersten Klasse, soweit ich mich entsinne. 

Ich bin in einem Bundesland mit Lehrmittelfreiheit zur Schule gegangen. Das bedeutete, alle Schulbücher wurden uns kostenlos gestellt, mussten am Schuljahrsende aber wieder abgegeben werden. Obendrein bekamen wir einiges geschenkt: einen Tuschkasten, Knete, Wachsmalstifte, Farbstifte aus Holz, Malblöcke, einen Atlas und später ein Zirkelset und Geodreiecke. Nur die Hefte und die Schreibutensilien wie Bleistifte oder Radiergummis kauften wir selbst. Ich weiß nicht, ob dies so vorgesehen war oder ob sich unsere Eltern auf diese Weise stillschweigend am Etat beteiligten, ich kann mich jedenfalls nicht an Probleme erinnern.

Beim ersten Federhalter allerdings verstand unsere Lehrerin keinen Spaß. Sie wollte uns auf  pädagogischer Linie halten. Deshalb wurde per Beschluss am Elternabend festgelegt, dass nicht jeder selbst ein Exemplar für seinen Sprössling aussucht, sondern dass für die gesamte Klasse zentral ein bestimmtes Modell bestellt wurde. Am Ende hatten 32 Schüler den gleichen Lernschreibfüller von Geha.

Ich kann mich noch gut an ihn erinnern. Er hatte einen grünen Schaft (wie alle Geha-Schulfüller damals). Die Feder war goldfarben und merkwürdig geformt. Sie verjüngte sich nicht gleichmäßig zum V wie sonst üblich, sondern machte eine Art Delle zur Spitze hin. Das gab dem Ganzen etwas Gestelztes. Leider besitze ich diesen Federhalter nicht mehr. Ich hätte ihn euch gern gezeigt. Ich fand ihn damals ziemlich  altbacken, nicht cool genug, aber offenbar entsprach er den ergonomischen Erfordernissen ungeübter Kinderpfoten. Das Ästhetische aus Nutzersicht spielte dabei wohl weniger eine Rolle.

Damit man den Stift richtig zu halten lernte, waren am Schaft drei längliche Ausbuchtungen eingelassen. Dort hatte man seine Finger reinzulegen. Links beim Daumen und rechts beim Zeigefinger, das kriegte ich noch gut hin, aber hinten der Ringfinger - wie war das gemeint? Bei mir hing er sonst wo, jedenfalls nicht ordentlich am vorgesehenen Platz. Blaue Finger kriegte ich trotzdem. Keine Ahnung, woher die Tinte kam. Ich hatte schließlich nicht direkt auf die Feder gegriffen. Blaue Fingerkuppen gehörten zu meinem Schulalltag. Die blaue Tinte übrigens war ebenfalls vorgeschrieben, andere Farben waren nicht erlaubt. Die kurzen Patronenhülsen drückten wir innen in den Schaft. Die Reservepatrone wartete oben drüber, getrennt durch eine kleine Halterung aus Metall.

Spätestens seit der vierten Klasse kümmerte sich niemand mehr darum, mit welchem Füller wir schrieben. Hauptsache, wir schrieben überhaupt mit Tinte und ordentlich. Mein nächster Schulfüller war wieder von Geha, diesmal ohne die Fingerrillen und mit dreieckiger Feder in Silber. Es ist das Exemplar auf dem Foto hier. Der Schmutz an der Spitze ist die eingetrocknete Originaltinte aus Kindertagen.

Noch ein paar Jahre später bin ich auf Pelikan umgestiegen. Dort gab es nämlich einen Füller mit mittelblauem Schaft. Ich fand ihn klasse nach all den Jahren mit dem immer gleichen Grün.

Was die Tinte betraf, so hatten die Hersteller inzwischen experimentiert. Ich probierte alles aus. Zeitweilig schrieb ich in Lila oder Türkis. Solange es nicht rot war, interessierte sich kein Lehrer dafür. Meistens aber blieb ich bei Grün, zumindest auf dem Papier. Das hieß die Tinte war grün, der Federhalter blau.

Die Vorliebe fürs Schreiben mit Füller hatte ich mir bis zur Oberstufe bewahrt. Alte Schulhefte aus der achten, neunten und zehnten Klasse zeugen davon; mir selbst war es nicht so deutlich in Erinnerung geblieben. Dann aber war diese Ära vorbei. Kugelschreiber (und DIN-A-4-Blätter) fand ich nun praktischer. Seitdem habe ich nie zurück zur Tinte gefunden. Später als Erwachsene hatte ich wohl mal den einen oder andern Versuch unternommen, hatte im Schreibwarengeschäft mehrere Federhalter durchprobiert, aber so gut in der Hand gelegen wie in meiner Schulzeit hat keiner mehr. Kugelschreiber ruinieren jene Handhaltung, die für Federn nötig ist, und ich habe eindeutig zu lange Kugelschreibern gehuldigt, als dass ich heute zwischen ihnen und einem Federhalter wechseln könnte. Um die bekleckerten Fingerspitzen ist es mir nicht leid, doch wenn man etwas verlernt, was man früher einmal gut konnte, ist  es schade.

Kommentare:

  1. Rotweindoggen werden öfters nach dem Genuss von zuviel Rotwein 'ziemlich blau' ! :)

    Wenn sie ein Ekelfrass vorgesetzt bekommen , kann es auch mal passieren das sie ziemlich grün werden!

    Kackbraun sind jeden Tag die Häufchen die ins durchsichtige Deko Tütchen kommen! :)
    L.G. Diva
    Gratulation zum Blog

    Mir kommt da grad so ein Lied in den Kopf:
    Von den blauen Bergen kommen wi....unsere Putzen sind genau so blöd wie wir..... mit der Brille auf der Nase.....

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  2. Ich hatte mir lange Zeit meine tintenverschmierten Finger mit dem bei uns damals üblichen (blauen!) Pelikan Füller geholt.

    Ich kann mich auch noch gut an diese wilde Experimentierphase mit den verschiedenen Farben dann im Gymnasium erinnern.
    Bei mir wurde allerdings immer wieder zwischen Füllfeder und Kuli gewechselt. Irgendwie fand ich anscheinend immer Füllfeder cooler. Ich habe auch jetzt noch eine. (Nun allerdings ein Holzdesignerding - mit *räusper* BLAUEM Muster. Das kein Sohn zu stibitzen wagt.) Öh... nur trocknet mir immer wieder die Tinte ein weil ich doch seltener damit schreibe. Bei mir liegen schon seit Jahren BLEISTIFTE für die schnellen Notizen herum.

    Das spätere übergroße Angebot an Schreibgeräten verunsicherte mich Jahr für Jahr solange ich für die 3 Söhne einkaufte. Sogar für den einen Linkshänder!
    Mein mittlerer bevorzugt übrigens für Schöngeschreibsel einen Füller mit Tintenfässchen...etwas was mir immer zu umständlich war!

    LG, Klarissa

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  3. Blau ... grün ... kackbraun? Diva, mein liebes Elfenmädchen, du verbringst eindeutig zu viel Zeit mit meinem Max. Er ist ein lieber Junge, aber seinen Einfluss kann ich nicht gutheißen. Trotzdem herzlichen Dank für deine Gratulation. Das ist lieb von dir. Aller Anfang ist wackelig, daher kann ich ein bisschen Aufmunterung gut gebrauchen.

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  4. Bei den Federhaltern scheiden sich offenbar wirklich die Geister. Bei uns früher in der Schulzeit war es fast eine Glaubensfrage, ob man mit einem Geha-Füller schrieb oder mit einem Pelikan. Der Witz dabei: Beide Firmen hatten (und haben) ihren Sitz in Hannover. Ich kenne beide Gebäude, und bei Pelikan um die Ecke habe ich mal gewohnt. Heute ist das Pelikan-Hauptwerk anderweitig genutzt. Im Vorgarten watscheln aber noch immer zwei Wappenvögel herum, zwei Pelikane. Man kann sie von der Straße aus sehen. Sie haben dort Rasen und ein Plantschbecken. Es sind, glaube ich, Leihgaben vom Zoo. In der kalten Jahreszeit kommen sie ins Winterquartier.

    Ulkig, dass du in der Jugendzeit auch mit Farbpatronen experimentiert hast. Ich glaube, das ist eine typische weibliche Eigenschaft. Jungs sind für so was zu solide (und viele Tintenfarben waren auch zu albern).

    Dass dein Mittlerer sogar einen Federhalter mit Tintenfass benutzt, ist ungewöhnlich, weil das Gegenteil von schnell-schnell und Hautsache hingeschrieben. Das zeugt von bewusster Entscheidung und von einer Art Genuss. Ich finde das schön.

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  5. Ich stand auf roten Pelikan Füller...wollte ich nur so nebenbei mal erwähnen.( Rot mag ich heute nicht mehr gerne) Heute finde ich handgeschriebenes mit Tinte immer noch viel schöner als Kuli.
    Benutze aber auch öfters Tintenroller.
    L.G. das Divafrauchen

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  6. Ach ja...und es gab auch damals schon türkise Tinte, die durften wir in der Schule aber nicht benutzen!

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  7. Ja, jetzt wo du's sagst, fällt's mir wieder ein: Rote Pelikan-Füller gab's ja auch.

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  8. Ich hatte zuerst einen blauen Füller. Ich weiß aber echt nicht mehr welche Marke der war. Damals haben die, glaube ich, richtig Geld gekostet. Ich wurde 1960 eingeschult, da gab es noch keine große Markenvielfalt. Ich hatte einen ziemlichen Verschleiß an Füllern. Ich hatte nämlich die schlechte Angewohnheit, diese bis zu den innen liegenden Patronen abzuknabbern. Später musste ich mir von meinem Taschengeld selbst neue kaufen.

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  9. Angenagte Füllerenden? Joo ... rat mal, warum das Bild von meinem Schulfüller hinten abgeschnitten ist? Dort liegt alles frei. Als ich den Füller neulich (das erste Mal wieder seit Jahrzehnten) in der Hand hielt, habe ich mich gefragt, ob nicht durch den freien Schacht die ganze Tinte weggetrocknet ist. So schlimm hatte ich mich gar nicht in Erinnerung. ;-)

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  10. *räusper*... Jetzt wo ich es lese erinnere ich mich.

    Es ist ja schon ewig her und alle Beweise sind schon längst vernichtet... Aber ich erinnere mich doch echt gerade daran wie es war am Füller zu knabbern. Und dass meine Mutter meine Zahnabdrücke drauf dann überhaupt nicht toll fand. *g*
    LG, Klarissa

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Gern. Sag was dazu, danke dafür