Mittwoch, 30. November 2011

Im Weihnachtsmärchen

 Lachhaft

Wenn ich an Weihnachten denke, kommen mir zwei Farben in den Sinn: Das Grün von all den Tannenzweigen und das Rot von … nein, nicht vom Santa Claus aus der Coca-Cola-Werbung, sondern von den roten Plüschsitzen im ehrwürdigen Stadttheater, wo wir als Kinder das Weihnachtsmärchen besuchen durften.

Es gibt viele schöne Erinnerungen, die ich mit der Adventszeit verbinde: den Nikolausteller, die Weihnachtsbastelei und natürlich die Vorfreude auf die Geschenke. Doch zumindest in der Erinnerung haften geblieben ist mir das Weihnachtsmärchen als Bestes von allem. Die Exklusivität dieses denkwürdigen Ereignisses ließ sich so schnell von nichts anderem toppen.
In den vier Jahren, in denen ich zur Grundschule ging, sind wir jeden Dezember mit der gesamten Schulklasse ins Theater gefahren. Die Vorstellung war am Vormittag; ein Bus holte uns ab. Wir saßen auf dem Balkon, schön in der Mitte mit perfekter Sicht auf die Bühne. Vermutlich waren es die teuersten Plätze, die es gab. Unter uns, eine Etage tiefer, waberte ein Meer aus ebenso ungeduldigen Kindern von allen möglichen andern Schulen, deutlich hörbar im fließenden Gemurmel, aber dennoch brav auf Zurückhaltung getrimmt. Jeder Platz war besetzt.

Die Wartezeit, bis es endlich losgehen sollte, empfand ich als unerträglich: diese sonderbar anregende Atmosphäre aus Gold, Plüsch, Samt und erwachsener Erhabenheit auf der einen Seite und wir Knirpse dazwischen in unserer anachronistischen Vitalität, eingebrochen in eine Welt, in der wir sonst nichts verloren hatten, aber bereit, dem ganzen Spektakel unerschütterlich fest jede erdenkliche Vorschusslorbeere zu spenden: Es wird toll werden! Es wird toll werden! Es wird toll werden! Wenn es nur bloß endlich losgehen würde.

Im Zuschauerraum hing ein imposanter Kronleuchter von der Decke. Er war mehrstöckig mit allerlei Kristallgebimmel daran. In ein Rokoko-Schloss hätte er ebenso gut gepasst. Wenn es gongte als Zeichen, dass sich die Warterei endlich dem Ende zuneigte (insgesamt dreimal), ging gleichzeitig das Licht an diesem Leuchter aus, immer ein bisschen mehr, bis schließlich alles dunkel war und nur noch die Bühne existierte.

Der rote Samtvorhang schwebte zur Seite … meine Aufregung konnte sich endlich ein wenig legen.

Soweit ich mich erinnere, ist  damals „Peter Pan“ gegeben worden. „Die Eisprinzessin“ habe ich auch gesehen und „Die Bremer Stadtmusikanten“. An den vierten Titel entsinne ich mich nicht mehr. Dafür höre ich noch heute den entsetzten Aufschrei aus fünfhundert Kinderkehlen, wenn wir den Helden vor einer Gefahr warnten, damit ihm bloß nichts Schlimmes geschehen möge. Dass sich die Helden dabei aber, so beharrlich wie wir schrien, im gleichen Maße weigerten, unsere Warnungen zu befolgen, und mitten in die dümmsten Verstrickungen hineinliefen, ging regelmäßig in unserer Faszination unter. Wir lebten in diesem Augenblick mit Peter Pan, wir lebten mit dem Esel oder der kleinen Eisprinzessin, wenigstens für diese eine Stunde, versunken im Hier und Jetzt, ohne viel Abstraktion zum Geschehen, so wie es wahrscheinlich nur die Kindheit hervorzubringen schafft.

Man sieht es ja an mir: Diese Zeiten sind längst vorbei, bereits seit Jahrzehnten. Seitdem war ich öfter im Theater - als Erwachsene. Doch so aufregend wie damals im Weihnachtsmärchen ist es nie wieder gewesen.


Montag, 21. November 2011

Grün und kalt: Zuckerrohrsaft

Ich lebe im niedersächsischen Spargel- und Zuckerrübengürtel. Im Frühjahr sind allerorts die typisch aufgeworfenen Spargelfelder zu sehen, und im Spätherbst fahren die Trecker die Zuckerrüben zur Fabrik. Ein Teil der dunkelbraunen Klumpen bleibt allerdings auf den Landstraßen liegen, vom offenen Anhänger gerutscht. Wer Pech hat, neben einer Zuckerfabrik zu wohnen, wird sich freuen, wenn kurz vor Weihnachten die Kampagne endlich beendet ist, wenn die Schornsteine wieder schweigen und die Nase wieder geruchsneutrale Luft zu riechen kriegt. Dafür aber ist das Produkt lecker. Als Kind habe ich den Zuckerrübensirup geliebt. Ihr wisst schon, den im gelben Pappbecher. Am liebsten aufs Brötchen.

Wenn der Zucker also von der Rübe kommt, hat man mit einer andern Zuckerkultur nicht viele Berührungspunkte. In andern Gegenden, so beispielsweise in Lateinamerika, in Indien, Thailand oder Pakistan, wird der Zucker noch heute aus Zuckerrohr gewonnen. Wir kennen den Rum als weiteres Produkt aus diesem Fertigungsprozess. Man kann die Rohrstangen aber auch einfach nur auspressen, dann hat man frischen Saft zum Trinken. Oder man vergärt den Saft, dann wird Cachaça daraus, den man sich wiederum in den Limonensaft schütten kann, damit er den Namen Caipirinha verdient.

Zuckerrohr: ruurmo
Hier in Deutschland bekommt man nur die industriell gefertigten Produkte; man kauft die Flaschen aus dem Spirituosenregal. Aber habt ihr schon mal frisch gepressten Zuckerrohrsaft getrunken? Just im Augenblick hergestellt? Extra für euch?

Das ist ein Erlebnis, muss ich schon sagen - nicht nur für den Geschmack, sondern auch für andere Sinne. In meinem Fall trafen wir in Brasilien zum ersten Mal aufeinander.

In Südamerika gehört Zuckerrohrsaft zu den Erfrischungsgetränken wie bei uns Apfel- oder Traubensaft. In den Großstädten kann man sich dort an jeder Ecke ein Glas abfüllen lassen. Jede Saftbar bietet diesen Service, und oft geht es auch schneller, nämlich an einer der vielen Straßenbuden oder mobilen Ständen. Sie sind gut zu erkennen an den Holzstapeln auf der Rückseite. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die Haufen als Zuckerrohstangen. Die Geräte, mit denen gearbeitet wird, sind oft primitiv, erfüllen aber ihren Zweck.

Bestellt man nun eine Portion Saft, muss zunächst einmal die Pressmaschine angeworfen werden. Der unbedarfte Tourist reagiert darauf  gern mit einem gehörigen Schrecken, denn diese Dinger machen einen Krach, dass einem die Ohren abfliegen. Je nach Ausführung, ob einfach oder luxuriös, geht der Grundton eher in Richtung Gartenhäcksler, Küchenmixer, Schrottpresse oder heiserer Kreissäge. Meist aber ist es ein Chor aus allem.

Zuckerrohrpresse: Dey
Dann heißt es, die Zuckerrohrstangen durch die Mangel zu quetschen. Auf dem Bild hier oben – es zeigt nicht Lateinamerika, sondern ein Geschäft in Indien – geschieht dies mit Hilfe einfacher Walzen und viel Handarbeit. Aus Brasilien kenne ich aber auch halbautomatische Pressmaschinen. Sie sehen aus wie ein kleiner quadratischer Ofen, verkleidet in jenem silbrigen Metall, so wie es in jeder Großküche zu finden ist. Im Dach sind die Walzen eingelassen. Dort schiebt man die Zuckerrohrstangen hinein. Sie rattern unsichtbar (aber, wie gesagt, mit einem Höllenlärm) durch den Kasten und kommen an der Seite wieder heraus. Auf der andern Kastenseite ist eine Aussparung eingearbeitet, worin das Glas steht. Dorthinein plörrt der frisch gewonnene Saft. Geduld muss man schon mitbringen, denn es geht nur rinnsalartig voran. Außerdem müssen die Zuckerrohrstangen mehrmals gepresst werden, viermal, fünfmal, sechsmal, bis ihnen der letzte Tropfen abgerungen ist und das Rohr nur noch aus platten Faserschläuchen besteht. Serviert wird der Zuckerrohrsaft mit Eiswürfeln.

Wenn dann endlich das Glas vor einem steht, kann man den nächsten Schreck bekommen: So sieht also der flüssige Inhalt der Zuckerrohrstangen aus? Graugrün und milchig? Dazu noch schaumig aufgewolkt von der Rüttelei? Nicht gerade appetitlich, wenn man mich fragt. Im Gegenteil, ich assoziiere diesen Grünton eher mit was Krankem. Andererseits: Frischer geht’s nicht; ich hatte ja zugeschaut. Alles 100 % reine Natur, nichts ist künstlich zugesetzt, kein Farbstoff, kein Geschmacksverstärker. Meine Begleitung machte obendrein auf den Gesundheitswert aufmerksam. Weil nichts zerkocht wurde, sind die Mineralien und Vitamine alle noch vorhanden. Zuckerrohrsaft ist reich an Calcium, Eisen und Magnesium.

Zuckerrohrsaft: seadevi
Natürlich habe ich mich überzeugen lassen und den Saft probiert. Und wie schmeckt er nun? Tja, wie soll ich es beschreiben? Eins jedenfalls hatte ich vorausgesetzt: dass er süß wäre. Ist er aber nicht. Zuckerrohrsaft schmeckt nicht süß, er schmeckt – man soll es nicht glauben – herb. Mit einem deutlichen und sehr eigenen Nachgeschmack. Ungewöhnlich. Interessant. Lehrreich.

Ich gebe es zu: Ich hatte kurz überlegt, Streuzucker in den Saft zu löffeln, um dem Herben die Strenge zu nehmen und damit sich meine Erwartung nach anständiger Süße doch noch erfüllen möge, aber dann dachte ich, nein, als Gast muss man sich unterordnen – oder sich geschlagen geben. Seitdem bin ich auf frischen Papayasaft umgestiegen. Ich habe damals den Zuckerrohr links liegen lassen, stattdessen so manches gastronomische Obstregal leergesüffelt. Papayasaft war und blieb mein Favorit. Doch das ist wieder eine andere Geschichte. Sie gehört unter die Überschrift: „Wie spart man sich im Urlaub auf einem Schlag Frühstück, Mittagessen und Abendbrot?“


Montag, 14. November 2011

Begonia Tamaya ... oder so ähnlich

Auf meinen Fensterbänken klickt es. Dann trifft eine abgefallene Blüte auf das Metallrost des Heizkörpers. Im Sommer ist es besonders schlimm, da die Blüten in dichten Trauben hängen und immer wieder Einzelteile herabprasseln. In der Nacht, wenn alles ruhig ist, kann man sich erschrecken.


Ich habe diese Pflanzen in jeder Größe, von 10 Zentimeter bis unter die Decke, und meine Decke ist 3,20 Meter hoch. Um ehrlich zu sein, im Augenblick wuchern mir die Dinger die Bude zu. Auf den Fensterbänken ist schon lange kein Platz mehr, also wurden Ikea-Beistelltischchen herbeigekarrt und davor gestellt. Weil dies aber auch nur begrenzte Erweiterung bietet und die Pflanzen obendrein in einem Tempo wachsen, als würden sie Geld dafür kriegen, müssen die kleinen Töpfe den mittleren weichen und die mittleren den großen. Inzwischen steht in der Küche ein Spalier vom Eingang bis zum Fenster, dicht an dicht, weiter hinten sogar in Dreierreihen. Mehr Platz kann ich beim besten Willen nicht herbeizaubern.

Ganz eindeutig geklärt habe ich bis heute nicht, was das eigentlich für Pflanzen sind, mit denen ich so generös meine Wohnung teile. Ich nenne sie Begonia Tamaya.

So niedlich klein bleiben sie nicht lange
Mit der Gattung der Begonien liege ich ganz sicher richtig, aber ob nun am Namensende „Tamaya“ korrekt ist oder doch eher ein „Lucerna“ dort hingehört, das vermag ich nicht zu entscheiden. Ich verstehe nichts von Botanik; ich besitze ja noch nicht mal einen grünen Daumen. Im Gegenteil: Bisher haben noch alle Zimmerpflanzen (bis auf wenige Ausnahmen) den kollektiven Freitod gewählt, nur damit sie nicht ihr Leben in meiner Gesellschaft verbringen müssen. Lediglich die Tamayas sind stark und souverän genug, so dass sie meiner negativen Aura widerstehen. Vielleicht rührt daher meine zärtliche Liebe zu ihnen. Die Tamayas sind mein Volk!

Es heißt, die Tamaya sei eine Hybride aus zwei anderen Begonienarten. Charakteristisch sind die länglichen, gepunkteten Blätter und die traubenförmig hängenden Blüten. Bei der Farbe gibt es Abweichungen. Obwohl alle meine Tamayas von einer einzigen Mutterpflanze abstammen, blühen manche hummerrot, andere rosa. Aber für alle gilt: Je länger sie hängen, desto heller werden sie.


Allen gemein ist auch der Bedarf an Licht. Alle Begonien (also auch die Tamaya) stammen aus Brasilien, mögen daher helle Standorte – und damit beginnt das Problem. Wenn, wie gesagt, die Logenplätze auf den Fensterbänken restlos besetzt sind, was wird dann aus den Kolleginnen weiter hinten? Ganz einfach: Sie blühen nicht mehr. Alles, was in meiner Wohnung zwei Meter vom Fenster entfernt steht, blüht nicht. Die Pflanze wächst und wächst, bildet die schönsten gepunkteten Blätter aus, aber jegliche Dekoration aus Hummerot oder Rosa verkneift sie sich beharrlich.

Mich stört das nicht. Ich ärgere mich eher über jene Querulanten, die statt einigermaßen symmetrisch in die Höhe zu streben mit dekorativen, buschigen Zweigen drum herum, nur einen langen, nackten Strunk ausbilden mit einem dämlich deplatzierten Blätterpuschel oben drauf. Das habe ich nicht verdient! Ich tu so viel für meine Tamayas, ich gieße sie zweimal wöchentlich, ich gebe ihnen Dünger, ich topfe sie um und binde die nachgewachsenen Zweige mit Gefrierbeutelclips an der Bambusstange fest, damit sich die Stängel gerade halten können. So ein idiotisches Design habe ich wirklich nicht verdient.

Wenn alles gut läuft, sprießen aus den Ballen nach und nach neue Zweige. Große Pflanzen haben sechs, sieben, acht dunkle Stämme. Das ist wünschenswert, weil die Natur es so vorgesehen hat. Ob das ungehemmte Höhenwachstum in den ohnehin schon oberen Etagen auch dazugehört, bin ich mir allerdings nicht sicher. Ich jedenfalls steige auf die Leiter, sobald in der Küche neben dem Fenster die Zweige an die Zimmerdecke zu schlagen beginnen, und schneide alles einen Meter zurück. Aus dem Ausschuss mache ich neue kleine Tamayas: Stängel ins Wasser stecken, warten, bis sich Wurzeln bilden – fertig.

Mein Spalier
Jetzt im Spätherbst ist nicht mehr viel los. Die Tamayas bereiten sich auf die Winterpause vor. Etliche Pflanzen blühen noch bis Weihnachten, manche sogar darüber hinaus, der große Rest aber bleibt grün und fängt erst im Frühjahr wieder an in der neuen Saison.

Ich kenne diesen Rhythmus. Er wiederholt sich jedes Jahr, bereits seit 12 Jahren. Mir ist sogar bekannt, was meine Leute über mich denken, teilweise wird es mir direkt ins Gesicht gesagt: Die ist bekloppt! Hat die ganze Hütte voll mit einer einzigen Pflanzenart! Das ist doch krank!

Wirklich? Ach, Leute, keine Sorge, mir geht‘s gut. Es gibt wahrlich Schlimmeres, als hübsche Begonien zu vermehren. Und das Klicken nachts auf meinem Fensterbrett, das gibt mir jedes Mal von neuem die Gewissheit, dass ich mit weit mehr Freude beschenkt bin, als ihr es euch in eurer kurzsichtigen Verurteilung vorstellen könnt.

Begonia Tamaya
Ordnung: Kürbisartige (Cucurbitales)
Familie: Schiefblattgewächse (Begoniaceae)
Gattung: Begonien
Art: Begonia corallina (?) + Begonia albopicta (?)
Sorte: Tamaya


Donnerstag, 3. November 2011

Santorini: Blau und Pfirsich

Das kleine griechische Kykladen-Archipel Santorin ist bei Touristen und Fotografen gleichermaßen beliebt. Wer kennt nicht die Bilder von den weißen Häusern, die sich an den Steilhang schmiegen, postkartenblauer Himmel darüber und tiefblaue See davor?

 BluEyedA73
Zugegeben, solch ein Anblick hat was. Vielleicht stillt er die Sehnsucht nach Ruhe und Einfachheit, zumindest ist er mit dem Stempel „Urlaub“ versehen, und das allein macht ja schon mal gute Laune.

Bei genauerem Hinsehen jedoch zeigt die weiße Gleichförmigkeit Brüche. Nicht alle Häuser sind weiß gestrichen und nicht jedes grandiose Blau ist außen zu finden. Manche Fassade hat einen cremefarbenen Anstrich – oder einen pfirsichfarbenen, so wie die katholische Kathedrale in der Hauptstadt Fira.

Von weitem sieht man den Unterschied kaum, weil sich alles harmonisch ins helle Gesamtbild fügt und weil Sonne und Schatten mit ihrer eigenen Farbdramaturgie ohnehin alles ein bisschen anders ausschauen lassen je nach Tageszeit und Blickwinkel. Innen drin offenbart die Kathedrale ein noch viel eigenwilligeres Farbkonzept: Manche Partien sind in Beige und Orange gehalten, andere in einem atemberaubenden Blau.

 Wolfgang Staudt
 Hier noch mal die Innenansicht aus einer etwas anderen Perspektive:

 Wolfgang Staudt
Ist es nicht umwerfend? Ich kann mich kaum sattsehen an dem herrlichen Blauton. Neben dem kräftigen Orange kommt dessen Leuchtkraft erst richtig zu gut Geltung.

Von außen sieht die Kathedrale so aus:

 wallyg
Das Ensemble (vorne) ist großzügig. Wie so oft in der hiesigen Architektur, verschmelzen byzantinische Stilelemente mit anderen. Der Glockenturm rechts ist reich mit Ornamenten verziert. Doch alt ist der gesamte Sakralbau keineswegs – trotz all der Anleihen von den Vorvätern. Er wurde erst 1975 eröffnet, frisch renoviert, nachdem das verheerende Erdbeben der 50er Jahren auch der ursprünglichen Kathedrale arg zugesetzt hatte.

Die fünf Santorini-Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Genauer gesagt sind sie die sichtbaren Spitzen einer unterseeischen Caldera, also einer abgesackten und vom Wasser gefluteten leeren Magmakammer nach einem Vulkanausbruch. Das Meer ist dort sehr aktiv. Im Laufe der Jahrhunderttausende hat sich die Gestalt des Archipels mehrfach verändert. Heute liegen die fünf Inseln fast im Kreis, und man kann von der einen zur andern hinüberfotografieren.

 MarcelGermain
Dabei entstehen solche traumhaften Fotos wie dieses hier, diesmal zwar nicht in Blau, sondern in Violett, aber nichtsdestoweniger reizvoll.

Bei Tag kann das Ergebnis dann so aussehen:

 BlueEyedA73
Manche Motive erscheinen derart malerisch, dass sie wie inszeniert wirken, fast schon kulissenhaft arrangiert: zu schön, um real zu sein. Santorin ist für sein pittoreskes Flair berühmt. Gäbe es dies alles nicht schon, müsste man es glatt erfinden, nur damit wir Menschen uns daran erfreuen dürften.

Mir gefällt allerdings nach wie vor ein kräftigeres Blau am besten. Aber auch das hat Santorin zu bieten. Bitte schön:

 MarcelGermain
Am roten Gestein ist die vulkanische Herkunft zu erkennen. Und wie man sieht: Auch die Freunde der türkisfarbenen See kommen auf ihre Kosten.

Ich würde gern mal hinfahren, nach Santorini, und alles live auf mich wirken lassen, was ich bisher nur von Fotos kenne. War schon mal einer von euch dort? Könnt ihr meine Erwartungen bestätigen?