Donnerstag, 3. November 2011

Santorini: Blau und Pfirsich

Das kleine griechische Kykladen-Archipel Santorin ist bei Touristen und Fotografen gleichermaßen beliebt. Wer kennt nicht die Bilder von den weißen Häusern, die sich an den Steilhang schmiegen, postkartenblauer Himmel darüber und tiefblaue See davor?

 BluEyedA73
Zugegeben, solch ein Anblick hat was. Vielleicht stillt er die Sehnsucht nach Ruhe und Einfachheit, zumindest ist er mit dem Stempel „Urlaub“ versehen, und das allein macht ja schon mal gute Laune.

Bei genauerem Hinsehen jedoch zeigt die weiße Gleichförmigkeit Brüche. Nicht alle Häuser sind weiß gestrichen und nicht jedes grandiose Blau ist außen zu finden. Manche Fassade hat einen cremefarbenen Anstrich – oder einen pfirsichfarbenen, so wie die katholische Kathedrale in der Hauptstadt Fira.

Von weitem sieht man den Unterschied kaum, weil sich alles harmonisch ins helle Gesamtbild fügt und weil Sonne und Schatten mit ihrer eigenen Farbdramaturgie ohnehin alles ein bisschen anders ausschauen lassen je nach Tageszeit und Blickwinkel. Innen drin offenbart die Kathedrale ein noch viel eigenwilligeres Farbkonzept: Manche Partien sind in Beige und Orange gehalten, andere in einem atemberaubenden Blau.

 Wolfgang Staudt
 Hier noch mal die Innenansicht aus einer etwas anderen Perspektive:

 Wolfgang Staudt
Ist es nicht umwerfend? Ich kann mich kaum sattsehen an dem herrlichen Blauton. Neben dem kräftigen Orange kommt dessen Leuchtkraft erst richtig zu gut Geltung.

Von außen sieht die Kathedrale so aus:

 wallyg
Das Ensemble (vorne) ist großzügig. Wie so oft in der hiesigen Architektur, verschmelzen byzantinische Stilelemente mit anderen. Der Glockenturm rechts ist reich mit Ornamenten verziert. Doch alt ist der gesamte Sakralbau keineswegs – trotz all der Anleihen von den Vorvätern. Er wurde erst 1975 eröffnet, frisch renoviert, nachdem das verheerende Erdbeben der 50er Jahren auch der ursprünglichen Kathedrale arg zugesetzt hatte.

Die fünf Santorini-Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Genauer gesagt sind sie die sichtbaren Spitzen einer unterseeischen Caldera, also einer abgesackten und vom Wasser gefluteten leeren Magmakammer nach einem Vulkanausbruch. Das Meer ist dort sehr aktiv. Im Laufe der Jahrhunderttausende hat sich die Gestalt des Archipels mehrfach verändert. Heute liegen die fünf Inseln fast im Kreis, und man kann von der einen zur andern hinüberfotografieren.

 MarcelGermain
Dabei entstehen solche traumhaften Fotos wie dieses hier, diesmal zwar nicht in Blau, sondern in Violett, aber nichtsdestoweniger reizvoll.

Bei Tag kann das Ergebnis dann so aussehen:

 BlueEyedA73
Manche Motive erscheinen derart malerisch, dass sie wie inszeniert wirken, fast schon kulissenhaft arrangiert: zu schön, um real zu sein. Santorin ist für sein pittoreskes Flair berühmt. Gäbe es dies alles nicht schon, müsste man es glatt erfinden, nur damit wir Menschen uns daran erfreuen dürften.

Mir gefällt allerdings nach wie vor ein kräftigeres Blau am besten. Aber auch das hat Santorin zu bieten. Bitte schön:

 MarcelGermain
Am roten Gestein ist die vulkanische Herkunft zu erkennen. Und wie man sieht: Auch die Freunde der türkisfarbenen See kommen auf ihre Kosten.

Ich würde gern mal hinfahren, nach Santorini, und alles live auf mich wirken lassen, was ich bisher nur von Fotos kenne. War schon mal einer von euch dort? Könnt ihr meine Erwartungen bestätigen? 


Kommentare:

  1. ... ich kenne leider auch nur Bilder...Aber ich bin jetzt auf jeden Fall so richtig in Urlaubsstimmung gekommen *seufz*. Muss dort in natura traumhaft sein.

    LG, Klarissa

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  2. Ja, da kann man schon Fernweh bekommen. Ich nehme aber an, man muss gut zu Fuß sein, wenn man auf Santorini unterwegs ist. Die vielen Stufen ...

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